Donnerstag, 26. März 2020

Tag 2460 - Ausnahmezustand Tag 11

Durchgeschlafen, kurz vor sechs bin ich wach.
Morgens - wenn noch alle anderen schlafen - laufen die Tränen. Ich will mein Leben weiterleben und trauere darum. Aber nur in der Früh.
Tagsüber muss ich funktionieren.

Ich mache meine Runde den Berg rauf, ich verlängere den Spaziergang ein bisschen und muss mich dann beeilen um rechtzeitig zum ersten Call zu kommen, der kurz vorher natürlich abgesagt wird.
Mitarbeitergespräch via Skype. Mein Chef und ich wissen, dass wir in naher Zukunft getrennte Wege gehen werden. Das ist für uns beide ohne es auszusprechen ok. Das Gespräch ist dadurch sehr entspannt.

Den ganzen Tag über kann ich mich nicht konzentrieren, arbeiten ist echt eine Herausforderung, ich mache auch bald Schluss und verschiebe auf den Abend bzw. nächsten Morgen.
Sport kommt auch zu kurz, ich bin einfach zu müde und schlafe bei der Einschlafbegleitung vom Mädi mit ein.
Quelle:orf.at


Mittwoch, 25. März 2020

Tag 2459 - Ausnahmezustand Tag 10

Ich glaube, ich habe durchgeschlafen.
Nach 7,5 Stunden Schlaf bin ich auf jeden Fall kurz vor sechs wach. Ich lese noch ein bisschen im Bett und stehe dann auf, trinke Kaffee und spiele Bubbles. Da ich ohnehin auch am Nachmittag arbeiten muss, hab ich keine Eile mich jetzt schon einzuloggen und loszulegen. Gegen acht hab ich gefrühstückt, bin gewaschen und angezogen. 
Ich gehe die neue große Runde, nur jetzt den Berg rauf statt runter. Als ich die Steigung hochdampfe und mir eine Joggerin entgegenkommt, spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, das Laufen auch mal zu versuchen.
Meine Knie schreien zwar schon beim dem Gedanken laut auf, aber irgendwie... Meine Nikes könnten auch als Laufschuhe durchgehen. Mal sehen. Wahrscheinlich geb ich nach 50 Metern mit Knie- und Kreuzschmerzen auf. Wenns mich vorher nicht schon hingelegt hat, weil ich über die eigenen Füße gestolpert bin.

Daheim starte ich gleich direkt mit dem ersten Call, aus dem der Moderator nach kurzer Zeit rausfliegt, weil sein Internet die Grätsche macht. Es folgen noch weitere Abstimmungen.
Kurze Pause zum Mittagessen, das Mädi klaut mir Wurst und Paprika vom Teller. Die macht einen auf Raupe Nimmersatt und vertilgt Mengen, die man so einem kleinen zarten Mädi gar nicht zutraut. 
Danach - und jetzt bin ich wieder alleine mit ihr - folgt der Call mit dem Kunden. Ich muss dem Mädi wieder das Tablet in die Hand drücken. Als das Meeting endlich vorbei ist, will ich sie hinlegen. Sie schläft aber nicht. Ich hab's wirklich probiert. Mehrfach. Unter Protest.
Also dreh ich meinen Rechner ab und gehe mit ihr raus, Scooter fahren. Man merkt aber, dass sie nicht zu Mittag geschlafen hat und zickt herum, daher gehen wir zeitig nach Hause, ich mache das Abendessen, das Mädi spachtelt. Vorher hat sie natürlich noch einen Tobsuchtsanfall.
Fischstäbchen mit Reis und Gemüse. Als Nachspeise Birne.
Gegen 19 Uhr schaffe ich sie dann endlich ins Bett.
Jetzt mag ich nimma. Mama trinkt einen Gin Tonic.

Pilates-Einheit für den Rücken und Bauch gemacht, eine Stunde flotter Spaziergang, mit dem Mädi draußen gewesen.

Ich spreche ab sofort lieber in absoluten Zahlen: 

5.560 Fälle in Österreich





Dienstag, 24. März 2020

Tag 2458 - Ausnahmezustand Tag 9

Einmal hochgeschreckt und eine Klounterbrechung eingelegt.
Morgens gehe ich eine große Runde, es begegnen mir kaum Menschen, nur die Hundeausführer. 


Danach Arbeiten mit technischen Schwierigkeiten, Outlook und Skype verabschieden sich gemeinsam. Super Timing, wenn man zu Mittag einen Kundentermin via Skype hat. Glücklicherweise erledigt sich das Problem wieder von selber. Dann wieder an mehreren Fronten arbeiten, bei x Calls dabei sein.
Zu Mittag übernehme ich das Mädi, die hat zwar schon gegessen, ist aber nicht müde. Das wird heiter.

Als der 12:30 Call startet, gebe ich ihr das Tablet, hilft ja nix. Sie ist aber kooperativ, einmal muss ich auf mute stellen, weil sie was braucht. Die anderen Teilnehmer haben natürlich alle Verständnis, aber genau das ist es, was mich am jetzigen Homeoffice so nervt: 
Ich will mein Kind nicht dauernd vor Videos parken müssen, sie ist noch keine drei Jahre alt und schaut für mein Empfinden viel zu viel.
Als der Call zu Ende ist, lege ich das Mädi hin, sie schläft nach kurzem Geheul sofort ein, ich kann noch ein bisschen Weiterarbeiten.
Morgen und übermorgen dasselbe. Am Freitag ist der Arbeitstag zu Mittag vorbei.

Nachdem das Mädi aufgewacht ist, teilt sie ihren Vollkorn-Apfelkuchen mit dem Kater: "Die alte Katze ist mein Freund." 
Wir suchen ihren Roller und gehen bzw. fahren noch eine große Runde, es ist knackig kalt. Wieder zu Hause angekommen, mache ich das Abendessen, es gibt Fleischbällchen mit Gemüse.
Danach räume ich die Küche auf, das geht überraschend gut neben ihr, sie spielt. Wenn wir aus der ganzen Sache mit einem sich selbst beschäftigenden Mädi rausgehen, ist es mir mehr als recht.

Wir telefonieren mit der Oma über Skype. Die ist seit Freitag nicht mehr draußen gewesen, sie haben aber einen Garten, von daher ist es zwar sehr ungewöhnlich, aber machbar für sie. Meine Tochter erzählt ihrer Großmutter, dass alle Spielplätze gesperrt sind, weil ein Virus da ist und man viel Strafe zahlen muss, wenn man trotzdem auf den Spielplatz geht. He, sogar knapp Dreijährige checken es schon!
Wegen Haarewaschen gehen sich dann nur Kniebeugen aus. 

Grafik zur aktuellen österreichischen Kurve gibt es (heute) keine. Die Zeitung nimmt jetzt den Mittelwert der letzten vier Tage (= 20 %), damit die heutigen +24 Prozent nicht so dramatisch wirken. Verarschen kann ich mich selber.