Mittwoch, 31. Dezember 2014

Tag 548 - Guten Rutsch!

Liebe Leute, ich wünsche ein erfolgreiches, gutes Jahr 2015!
Vielen Dank für das Interesse, für den Zuspruch, das Mitfiebern und die vielen guten Wünsche!

Ich habe 2014 - speziell am Ende des Jahres - viel gelernt.


Freitag, 26. Dezember 2014

Tag 543 - Nebel

Meine beste Freundin ist Psychologin.
Ihre Schwester auch, die übt es im Gegensatz zu meiner Freundin allerdings auch aus.

Die Psychologin hier ist jung, aber deswegen nicht weniger kompetent, sehr lieb und sie tut mir weh. Nicht absichtlich.
Aber gemeinsam bohren wir, was denn nicht passt, was mich unrund macht.
Nicht wegen des Krebs, nein, neben dem Krebs.
Der erste Schock ("Oh Gott, die haben/hatten hier in der onkologischen Reha alle Krebs :-O") ist verdaut, der Umgang mit der Erkrankung ist mühsam, aber nicht abendfüllend.
Es geht viel mehr um mich. Was mach ich denn? Warum krieg ich denn die Schultern nicht runter?
Wieso geh ich ich denn aus den psychologischen Terminen mit einem Kloß im Hals, der sich nicht benennen lässt, aber mir weh tut?
Da bricht grad was.

Auf zu neuen Ufern?
Wo sind die? Wie viele gibt es?
Ich weiß es nicht.

Die Kur ist in 5 Tagen vorbei, danach habe ich noch eine knappe Woche Urlaub.
Mir graut vor dem, was danach kommt.
Wenn ich laufen könnte, dann würde ich wegrennen.

Das Foto ist vom ersten Sonntag hier in der Kur. Es beschreibt aber ganz gut den Zustand in meinem Kopf.

Nebel.


Mittwoch, 17. Dezember 2014

Montag, 15. Dezember 2014

Tag 532 - Die Kur

Die Kur also.

Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell, obwohl ich nicht den Eindruck habe, dass ich viel mache oder viel passiert.
Die ersten 3 oder 4 Tage hier waren nicht unbedingt einfach, durch die massive Konfrontation mit der Krankheit hatte ich immer wieder das Gefühl, ich müsse mich auf den Fußboden legen und losheulen.
Ich hab es dann mit der Psychologin besprochen, weil ich diese Reaktion einfach nicht einkalkuliert habe.
Ich dachte, ich setz mich hier 3 Wochen gemütlich hin, mach ein klein wenig Bewegung, lass mich massieren und das Essen vor die Nase stellen und fahr dann gemütlich nach Hause und bin wieder munter und fidel.
Als später die Physiotherapeutin so nebenbei sagte: "Das (meine Verspannungen) kriegen wir weg, Sie sind ja noch jung.", da hätte ich ihr am liebsten das Klemmbrett aus der Hand gerissen und gegen die Kletterwand geschlagen.
Ja, super, wenn man jung krank wird, dann kann's ja im Alter nur besser werden, ja genau.
Wie auch immer.


An einem durchschnittlichen Tag habe ich bis zu 6 Termine, die aus Vorträgen, Therapien und ein bisschen Sport bestehen.
Den Rest des Tages jage ich mit Carl, Assad und Rose Verbrecher in Kopenhagen, hänge in der kleinen Therme im Whirlpool rum, belästige ortsansässige Katzen oder skype mit Herrn Hase.
Sonntags hab ich es geschafft, irrtümlich bis in den nächsten Ort zu gelangen, mein Knie dankt es mir bis heute :-D

Und sonst?
Österreich ist bekanntlich ein kleines Land. So gibt es auch nicht viele in meinem Alter mit einer ähnliche Diagnose, die genau jetzt hier auf Kur sind.
Sie haben mich auf einen 8er-Tisch gesetzt, an dem das Durchschnittsalter mit mir inkludiert bei ca. 60 liegt. Es sind nette Leute, aber hmmmm, ich komm mir vor wie jemand auf Partnersuche, der niemanden findet.
Wie damals schon beschrieben, fühle ich mich allein mit meiner Geschichte.  
Aber ich verzweifle nicht. Zum einen bin ich nicht ungern für mich, zum anderen sind ja Dienstag bis Donnerstag laufend Neuzugänge.
Mal gucken, ob sich da nicht jemand findet.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Tag 527 - Ankunft

So sieht's aus, wenn man auf meinem Balkon steht

Ein sehr schönes und neues Kurhotel in einem kleinen Ort im Burgenland ist jetzt für 3 Wochen mein Zuhause.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Tag 521 - Plan

Hab ich schon erwähnt, dass ich meinen Gynäkologen sehr schätze?

Gestern war ich wieder bei ihm, die vierteljährliche Kontrolle stand an.
Nach Abtasten der Brust (alles OK :)) war ich der Meinung, dass die blöde Zyste wieder im Ultraschall auftauchen würde.
Also auf den Stuhl geklettert und die Zähne zusammen gebissen. So sehr ich den guten Mann mag, ich geh trotzdem lieber zum Zahnarzt als auf diesen Gynstuhl.
Er schallt also los und erzählt mir, was er so sieht.
Die Zyste ist weg.

Komischerweise hab ich den Eindruck, dass das ihn mehr freut als mich. Davor hab ich dem Gyn noch gesagt, dass ich keine Bauchspiegelung mehr machen lasse, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.
Im anschließenden Gespräch sagt er mir, dass er es mag, dass ich genau weiß was ich will. Und was nicht.
Ich glaube, ich hab den Gynäkologen für's Leben gefunden.

Ich frage auch ihn, ob er mir eine Ursache für meinen Krebs sagen kann.
Die Antwort kurzgefasst: "Eine Laune der Natur." - Da ich nur Her2-positiv bin, ist eine genetische Ursache eher unwahrscheinlich.
Ich hätte so gern einen Grund für diesen Brustkrebs. Er sagt, ja, das verstehe er, aber man könne eben nicht sagen, das oder jenes war die Ursache.
Ja, ich hab bis 30 geraucht. Aber das alleine macht es nicht aus.
Irgendwann hat eine Zelle durchgedreht und sich unkontrolliert zu vermehren begonnen.
Pech wie ich es nenne.

Es schaut gut aus.
Nächsten Mittwoch fahre ich 3 Wochen auf Kur.

Der nächste Plan?
Stärker als vorher zu sein.


Montag, 1. Dezember 2014

Montag, 24. November 2014

Tag 511 - Die anderen

Projekt B.
Es wurde sich über mich beschwert. Zu Recht, aber das spielt hier keine Rolle.
Mein zweiter Vorname lautet "Stur", also ist es mit der Kooperation auch nicht immer so weit.

Der fürsorgliche Herr Hase schreibt per sms: "Kopf hoch, Nase!"
Ich: "Ich werde sie alle töten..."
Für mitlesende Behörden: Natürlich nur in Gedanken.

Ich bin so frei und zitiere Sartre: Die Hölle, das sind die anderen.

Dienstag, 18. November 2014

Tag 505 - Stimmungen

Es fängt damit an, dass ich nicht aufstehen mag und mit einem Kater im Arm bis 7:15 im Bett liegen bleibe.
Ich trödle im Haushalt herum, lass den Spüler laufen und räume ihn sogar aus, trinke eine zweite Tasse Kaffee, laufe leere Kilometer in der Wohnung.

Es regnet.
Ich fahre mit dem Bus, der Fahrer ist so nett und lässt mich noch schnell reinschlüpfen, obwohl er schon in der Kreuzung steht.
In der Firma angekommen, stelle ich fest, dass mein Mantel zwar sehr gut aussieht, aber fusselt. Der Fusselroller ist aus.
Kaum sitze ich, kommt der erste Anruf, ich soll jetzt sofort in ein Meeting kommen, da gäbe es ein paar Fragen. Es ist das Projekt A, wo ich mehr oder weniger vom unfähigen und noch dazu arroganten Kollegen ausgebremst wurde.
Scheinbar habe ich mich nicht im Griff und benutze einen Begriff, der nicht dorthin gehört, wenigstens habe ich nicht direkt jemanden beleidigt.
Das sind die Momente, wo ich nicht weiß, ob ich mich selber nicht leiden kann oder ob es alle anderen sind.

Das andere Projekt, wegen dem ich vom Projekt A abgezogen wurde, ist ähnlich schlimm, nur wichtiger und umfangreicher.
Ich fühle mich allein gelassen, die zuständige Stelle antwortet entweder nicht oder versucht weiter zu delegieren.
Ich würde am liebsten aufstehen und vor der Kur (noch 3 Wochen!)  nicht mehr wiederkommen.
Ich fühl mich auch emotional total überfordert und merke aber, dass ich mich durch mein Verhalten nicht unbedingt beliebter mache.

Bitte, bitte, lass es nicht nur mir so gehen...








Montag, 17. November 2014

Tag 504 - Helga kann...

... endlich wieder ohne Behelfe sehen.

Am Freitag wurde gelasert, ich muss gestehen, ich hatte vorher ziemliche Bammel und hab auch dementsprechend geschlafen. Am Morgen von der OP war ich so nervös, dass ich wie ein aufgeschrecktes Hendl durch die Gegend gelaufen bin.
Gegen 14 Uhr dann das Xanor, das ich vom Operateur bekommen hab, eingeworfen und auch recht schnell die Wirkung gespürt. Gut, dass Herr Hase vor der Firmentür gestanden ist und mich heil in das Augenlaserinstitut gebracht hat.
Die OP an sich hat sehr kurz gedauert.
Einmal in einen Lichterkreis reinsehen, dann in einen weiteren Laser.
Die Augenklemmen waren unangenehm und auch der Geruch der gelaserten Hornhaut ist nicht sehr toll.
Ohne Wurschtigkeitstablette hätt ich den Eingriff nie machen lassen.

Aber: Als ich von der Liege aufgestanden bin, konnte ich bereits die Zeit von der Uhr an der Wand lesen.
Am Samstag wurden noch die Linsen, die als Pflaster gedient haben, entfernt und seitdem kann ich immer besser sehen.
Noch ist es nicht perfekt, aber ich hoffe, in ein paar Tagen keinen Unterscheid zu den Linsen von früher zu merken.
Ein Jahr Herumquälen mit der Brille ist vorüber.

Ich kann wieder ein Häkchen neben einem Punkt meiner persönlichen ToDo-Liste machen.
Ich kann sehen.

Montag, 10. November 2014

Tag 497 - Kater

Mein Name ist Helga Nase, ich bin 35 Jahre alt und habe einen Kater.
Eigentlich habe ich sogar 3 Kater, zwei sitzen zu Hause und den dritten hab ich mit in die Arbeit genommen.

Der Weißburgunder war aber auch zu gut. Wenn mich jemand sucht, ich liege auf meiner Tastatur.


Donnerstag, 6. November 2014

Tag 493 - Geht schon wieder

Geht schon wieder.
Ich hab zwar in der Nacht auf gestern nicht gut geschlafen, hab mich aber nach Yvonnes Todesmeldung wieder relativ schnell gefangen.
Und genau das ist der Fehler.
So geht es die ganze Zeit.

Geht schon wieder, ist nicht so schlimm, passt schon wieder.

Nach der Diagnose war ich sechs Wochen in Krankenstand um den ersten Schock zu verdauen, danach wieder ins Büro. Nach den Chemos eine Woche zu Hause und dann in der Arbeit.
5 Wochen nach der OP, wo sie mir weiß Gott wie viel weggeschnitten haben, wieder am Schreibtisch sitzend. Die ganze Zeit mit Mütze um die Glatze zu verstecken.
Jetzt weiß ich, wie krank ich nach 6 Chemozyklen ausgesehen habe.
Bestrahlung, alle 3 Wochen Herceptin, Meine Haut hat so furchtbar ausgesehen.
Für die, die es noch immer nicht glauben: Herceptin war für die Hauptprobleme verantwortlich, jetzt ist sie schöner als zuvor.

Was für ein Scheiß! Ich hätt einfach daheim bleiben sollen.
Ich muss funktionieren. Nicht wegen des Jobs, nein, wegen mir.
Aber ich will gar nicht rumsudern.
Man könnte auch sagen, dass mir der normale Alltag Sicherheit gegeben hat. Das wird zum Teil auch stimmen. Aber ich glaube vielmehr, dass ich mir selbst keine Zeit zugestehe. Die Zeit um mich zu erholen, um die Geschehnisse zu verdauen.
Der Punkt ist, ich muss mir die Zeit nehmen.
Die Zeit um zu trauern, zu verarbeiten, mich zu erholen.

Ich will die 3 Wochen der Kur nutzen um genau das zu tun. Ein Freund sagte vor Jahren zu mir: "Du bist ein sehr reflektierter Mensch."
Ich bin auch ein emotionaler Mensch.
Zeit, das zuzulassen. Es soll mehr möglich sein als ein "Geht schon wieder"


Dienstag, 4. November 2014

Tag 491 - und plötzlich...

geht es ganz schnell...
Zuerst Conny und viele andere, jetzt Yvonne von Mädchenhaftes Bloggen.

Seit Tagen hat man nichts mehr von ihr gelesen, heute war auf ihrer Facebook-Seite zu sehen, dass sie gestorben ist. Wie alt war sie? 24, 25?
Ich sitz im Büro und will doch nur schreien, weinen, um mich schlagen und  unter meinem Tisch verstecken.


Freitag, 31. Oktober 2014

Tag 487 - Happy All Hallows' Eve

Mit meiner Alltime-Lieblingsband

Da wir in einer relativ neuen Anlage wohnen, gibt es auch viele Kinder, die heute Abend anklingeln werden und "Süßes oder Saures" in verschiedenen Varianten kreischen werden.
Ich freu mich schon, wenn ich mit meiner Fester Addams-Interpretation die Tür öffnen werde *muaharhar*

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Tag 485 - Konflikte

Mal kein Krebscontent.

Frau Helga Nase arbeitet an einem nicht unwichtigen Projekt, dieses steht aber, mit Eskalation an den Projektleiter usw.

Warum?
Weil mein Vorgesetzter aus ressourcentechnischen Gründen einen Mitarbeiter eingesetzt hat, der *hust* inkompetent ist. Frau Nase ist daher geblockt und muss das auch an eine andere Stelle berichten.
Auf die Frage dieser Stelle, was der Grund für die massive Verzögerung sei, kann sie nur vage Aussagen treffen, da sie ihrem Vorgesetzten nicht in den Rücken fallen will, der ja den *seufz* unfähigen Mitarbeiter eingesetzt hat und somit verantwortlich ist.
Reportet und kommuniziert muss es aber trotzdem werden, damit der Kunde informiert wird und auch Frau Nase nicht der Schludrigkeit bezichtigt werden kann.
Dazu kommt, dass Frau Nase beschäftigt sein will und auf Dumpfbacken warten eine ihre schlechtesten Übungen ist.
Der Kunde ist auch nicht zu vergessen.
Ich glaub, das nennt man Loyalitätskonflikt.

Hilfe!
Ich möchte bitte Privatier sein.




Dienstag, 21. Oktober 2014

Tag 477 - Alltägliches

Der Krebs ist seit dem Urlaub nicht mehr so präsent, der räumliche Abstand scheint mir gut getan zu haben.
Er geht mir nicht mehr so nahe.
Nicht falsch verstehen, DER Krebs an sich geht mir nach wie vor nahe, nur der eigene hat sich mehr entfernt von mir.

Die Tage sind auf eine Art geprägt vom Tod. Vor einiger Zeit schrieb ich einer Mitpatientin, die ich bei der Herceptin-Therapie kennengelernt habe, eine WhatsApp-Nachricht. Zurückkam, dass ihr herrlich verrückter Kater einfach umgekippt und tot ist.
Wer hier schon länger liest, weiß, dass ich Katzen liebe, liebe, liebe. Sie sind Freunde und Kinder für mich.
Dann kam die Todesnachricht von Conny.
Ich weiß nicht, warum ich immer so gottverdammt naiv bin, ich hab immer wieder auf ihren Blog geschaut, aber mir keine große Sorgen gemacht, dass keine neuen Posts kamen, ich dachte, sie wäre mit der Therapie beschäftigt.
War wohl Realitätsverweigerung erste Güte und das auch nicht zum ersten Mal.

Ansonsten hat mich der Alltag wieder fest in der Hand.
Vorige Woche hatte ich mit Kollegen aus dem gesamten Unternehmen eine Schulung. Das Thema war sehr interessant, vertiefen werde ich das Ganze aber nicht. Es war gut zu sehen, was die anderen machen, da sind wirklich fähige Leute dabei.
Trotzdem ist mir wieder einmal schmerzlich bewusst geworden, wie anders ich bin.
Nicht nur wegen des Krebs, sondern auch vom Wesen, von der Art unterscheide ich mich.
Ob die sich auch inmitten der Kollegenschaft einsam gefühlt haben? Man erzählt von seinem Aufgabengebiet und seinen Projekten, man wohnt in derselben Stadt, arbeitet beim selben Konzern und lebt trotzdem in (s)einer ganz eigenen Welt.
Wobei ich oft den Eindruck habe, dass man als IT-Mitarbeiter per se für einen Freak gehalten wird.
Wie auch immer, die vergangene Woche war lehrreich, wenn auch anstrengend. Ich hatte wenig Zeit über Krebs nachzudenken.

Da Herr Hase in der Arbeit gerade nix zu lachen hat, ich wiederum keinen Kopf habe um mir das Ganze anzuhören, sind wir uns in den letzten Tagen irgendwie fremd geworden.
Wer die "Freuden" einer langen Partnerschaft kennt, weiß, dass es solche Phasen nun mal gibt.
Fakt ist, dass ich mich momentan daheim nicht sonderlich wohl fühle. Es wird auch wieder besser werden.

Um beschäftigt zu sein und um meine internen Meilensteine abzuarbeiten, habe ich den 7. Abnehmen-Versuch gestartet und bin diesmal auch tatsächlich erfolgreich. Ziel ist es, bis Ende des Jahres mein altes Gewicht zu erreichen. Wir werden sehen.
Samstags ging's dann zur Augenlaser-Beratung. Im Grunde haben sie mir nichts neues erzählt, ich kenne die Operationsmöglichkeiten, die Risiken etc.
In zwei Wochen wird eine ausführliche Augenuntersuchung durchgeführt und entschieden, ob operiert werden kann (es gibt einige Ausschlusskriterien).
Wenn's wahr ist, kann ich also in einem knappen Monat ohne Sehhilfen sehen.
Noch will ich es mir noch gar nicht vorstellen, weil ich die Untersuchung abwarten will, aber die Möglichkeit, diese deppaten 5-7 Dioptrien loszuwerden,
in der Früh aufzustehen und scharf zu sehen, keine verschmierte, rutschende Brille zu brauchen, sich nicht mehr mit den Linsen zu quälen und bei Sonnenschein nicht das Gefühl zu haben, jeden Moment in Flammen aufzugehen (Blauäugige wissen, was ich meine), diese Möglichkeit macht mich
nahezu euphorisch.
Es fällt mir schwer, den Ball flach zu halten, damit die Enttäuschung bei Nichtdurchführung der OP nicht so groß ist.

Man merkt, ich bin beschäftigt, auch in der Arbeit gibt es momentan interessante Projekte.
Alltägliches.
Der Ausnahmezustand ist beendet.
Auch wenn nicht alles nur toll ist - es ist gut so.

Montag, 13. Oktober 2014

Tag 469 - Wieder da

Da bin ich wieder.
2 Wochen Urlaub liegen hinter mir, die vergangene Woche waren Herr Hase und ich auf Teneriffa.
Am Tag der Abreise wollte ich gar nicht zum Flughafen fahren, am liebsten wäre ich auf der Insel geblieben, beim Atlantik, beim Strand,
bei den herrlichen Temperaturen, bei den wunderschönen roten Katzen, den schaukelnden Kamelen...
Wir haben wenig Deutsch gehört, nur Englisch und Spanisch.
Schön, nicht verstanden zu werden, wenn man Wiener Slang miteinander spricht.





Im Flieger über Frankreich hab ich die letzten Tränen runtergeschluckt, es hilft ja nix. Den Herbstblues liest man derzeit überall.
Diese Woche war wichtig, ich habe für diese Zeit das Brustkrebsland verlassen, habe immer wieder Phasen gehabt, in denen ich nahezu vergessen habe, dass ich, ja ich Krebs hatte.
Kurzzeitiges Vergessen, wer ich bin.

Heute das erste Mal wieder im Büro. Gleich kopfüber in eine Konfrontation rein, unabsichtlich allerdings.
Es dauert noch bis ich angekommen bin.

Und: Nur noch 8 Wochen bis zur Kur.

Mittwoch, 24. September 2014

Tag 450 - Randnotiz

Kleine Randnotiz:
Gestern sag ich zum Kollegen noch: "Ich halte mich nicht für einen typischen Löwen."

Heute bin ich das erste Mal seit Tagen (gefühlt: Wochen, Monate) ausgeschlafen.
Bin aktiv, laut und reiß so manchem ein bisschen den *rsch auf.

Miau!


Montag, 22. September 2014

Tag 448 - Lesen

Lesen ist wie Schlafen für mich, es gibt mir Frieden.

In der Badewanne liegend lese ich also spät aber doch "Sterben kommt nicht in Frage, Mama". Ich bin schon vor Monaten auf Amazon darauf gestoßen, war mir aber nicht sicher, ob die Geschichte einer jungen Alleinerziehenden zu mir passt.
Jetzt muss ich feststellen, dass das Buch sehr gut ist, ich habe in jeder freien Minute gelesen.
Fakt ist aber auch, dass die Autorin in der Zwischenzeit verstorben ist.
Es ist nicht gut ausgegangen. Es ist so sinnlos, diese Krankheit, dieser Krebs ist einfach nur sinnlos.

Auch wenn ich es schon vor der Lektüre wusste, dass sie bereits 2012 an einem Zweitkrebs gestorben ist, bin ich fassungslos zurückgeblieben und frage mich zum wiederholten Male: Kann man an den Lymphknoten wirklich so gut eine Tendenz ablesen?

Schreckt mich ihr Ende (es ist fast zynisch, die Autorin hieß "End")? Ja und Nein.
So könnte meine Zukunft aussehen.
Ich glaube aber nicht an so eine Zukunft für mich.
Meine Zukunft wird anders aussehen.
Ich behaupte das zu wissen - natürlich gerade jetzt. Vor der nächsten Kontrolle sieht man mich hier wieder herumweinen und mich fürchten.

Die beste Freundin fragt mich, ob mich die Beschäftigung mit dem Krebs (der anderen) nicht belastet.
Nein, tut sie nicht.
Gerade ist der Krebs weit weg von mir, nach der "bestandenen" CT-Untersuchung geht es mir gut.
Das Wetter spielt mit: Normalerweise eine alte Miesmuschel, aber kaum scheint die Sonne bin ich optimistisch. Ein Sommerkind eben.

Ich muss viel weinen, wenn ich erfahre, dass jemand es nicht überlebt hat.
Ich weine dann um Menschen, die mir zwar nie begegnet sind, es mir aber trotzdem so weh tut, dass sie viel zu früh gehen mussten. Dass der Kampf im Endeffekt nicht zum Erfolg geführt hat.
Aber trotzdem ist das etwas komplett anderes.


Btw: die Kur, die Kur, die Kur!
Die Beeinspruchung hat etwas genutzt und ich fahre nun in meine Wunscheinrichtung und es wird noch besser: Das Datum wurde so gelegt, dass ich alter Weihnachtsgrinch auch heuer Weihnachten schwänzen kann. Natürlich werde ich am 24. nach Hause fahren, aber das war's auch schon wieder.
Ha!

Dienstag, 16. September 2014

Montag, 15. September 2014

Donnerstag, 11. September 2014

Tag 437 - Der Arzt, dem die Frauen vertrauen*

Gestern "Servicetermin" beim Lieblings-OA, das erste Mal in seiner Privatordination.
Ein bisschen bin ich mir vorgekommen wie kurz vor einer Prüfung.
Was wird denn diesmal gefunden?
Im Behandlungsraum bin ich nervös, aber mein Arzt schafft es, dass ich mich sicher fühle.
Wie er das macht, weiß ich nicht, es ist einfach so.
Die Chemie passt.

Zuerst hab ich ihn nach meiner Fruchtbarkeit gefragt. Ich will keine Kinder, auch wenn mir die Entscheidung weh tut.
Wenn man sich aber meine Großmütter, deren Reproduktionsverhalten und meinen Zyklus nach der Chemo ansieht, drängt sich die Frage auf, ob und wie ich verhüten muss.
Der Gyn nimmt mir die Hoffnung auf Sorglosigkeit in diesem Fall und spricht von vererbter guter Fruchtbarkeit. Naja.

Dann geht es an's Eingemachte, ich frag ihn während der Untersuchung, ob es wirklich, ja wirklich keinen Zusammenhang zwischen bereits rausgeschnittener Zyste und Krebs gibt, da sagt er doch glatt: "Apropos Zyste."
Im Ultraschall ist am verbliebenen Eierstock eine riesengroße Zyste aufgetaucht, sie schaut zwar unverdächtig aus und kann auch eine Eisprungzyste sein, aber man muss es natürlich weiter beobachten.
TÜV nicht bestanden, wieder nicht.
Scheiße, Scheiße, Scheiße! Ich mag nicht mehr!

Im Vorzimmer warten Frauen mit scheinbar normalen Leben, mit Babybauch und Dr.-Titeln.
Ich fühle mich wie ein Versager. Kein abgeschlossenes Studium, keine Kinder, nicht gesund.
Das tut dann weh. Ich weiß, Vergleich macht immer unglücklich.
In dem Moment kann ich aber nicht anders, ich sehe die vermeintlich perfekten Biographien vor mir sitzen und frag mich, was bei mir falsch gelaufen ist.
Aber diese Hirn-Spielereien bringen nix.
Hätte, hätte, Fahrradkette.
Hätt i, kannt i, dad i, war i.

Jetzt mag ich nicht mehr Trübsal blasen. Ich kann den Ist-Zustand nicht ändern.

*Zum Titel: Diese Serie habe ich in meinen 20ern immer geschaut, wenn ich am Vormittag zu Hause war. Herrlich entspannend.

Dienstag, 9. September 2014

Tag 435 - Nachsorge, die erste

Gestern war meine erste Nachsorgeuntersuchung.
Zu Beginn gleich die Mammographie, ich wurde sofort aufgerufen, das Personal hat mich wie ein rohes Ei behandelt.
Die Untersuchung an sich war auch kein Spaß, links war es ja kein kleiner Eingriff und das Einspannen zwischen den Platten tat auch ziemlich weh.
Aber es lässt sich ja nicht vermeiden.
Die RTAs und Ärzte waren aber wirklich vorsichtig und haben sich sichtlich bemüht.

Dann gleich ein paar Räume weiter zur Sonographie. Der Radiologe, der reinkommt, ist noch jünger und - wieder einmal - ziemlich betroffen von meiner Diagnose.
Und von meinem Alter.
Er schallt los und sagt schließlich: "Keine Veränderung zur letzten Sonographie, auch die Mammographie schaut schön aus."
Ich hab mich am Vortag so sediert, dass ich weder Angst noch Freude richtig spüre.
Aber ich denke, es wundert dort niemanden, dass ich etwas reaktionsverzögert bin.

Weiter zum CT.
Dort auch die RTs ganz, ganz lieb, sie stellen einen Krug mit Kontrastmittel vor mich hin und nach einer Stunde komm ich dran.
Drinnen wartet schon ein Oberarzt, der sich nach meiner Kontrastmittel-Unverträglichkeit vom Staging erkundigt und mir etwas spritzt, damit
es diesmal zu keiner Reaktion kommt.
Dann geht's los, ein paar Atemkommandos und ich bin auch schon wieder fertig.
Draußen muss ich noch ein bisschen warten, weil sie sicher gehen wollen, dass ich das Kontrastmittel diesmal vertragen habe.
Außer ein bisschen Jucken passiert auch nichts.
Noch einen Termin zur Befundbesprechung vereinbaren und ich kann nach Hause gehen.
Grenzwertig finde ich es aber, dass auf der Zeitbestätigung alle Untersuchungen stehen, die ich an dem Tag gemacht habe - ich bin mit dem Edding drüber gegangen. Mein Arbeitgeber weiß, was Sache ist, aber so genau muss es dann doch nicht sein.

Daheim angekommen wache ich wieder auf aus meiner Betäubung.
Den Rest des Tages verbringe ich mit Putzen und Type O Negative hören, ist beides nötig.
Angst? Nein.

Das noch ausständige CT-Ergebnis ist im Hinterkopf, mehr (noch) nicht.

Donnerstag, 4. September 2014

Tag 430 - Komisch

Es ist schon komisch, ich kann wohl nie zufrieden sein.

Ich sollte froh und auch dankbar sein, dass die Pensionsversicherungsanstalt (das heißt in Ö wirklich so ;)) mir die Kur bewilligt hat.
In dem in Beamtendeutsch verfassten Schreiben steht auch: "Wir erlauben uns darauf hinzuweisen, dass für Sie ein begehrter Platz in einer Therapieeinrichtung reserviert wurde. Sie werden ausdrücklich ersucht, das Heilverfahren für den vereinbarten Zeitraum anzutreten..."
Mein Gedanke: "Ich hatte aber auch eine unbegehrte Krankheit."

Ich liebe diese altmodische Sprache ja, auch die Abschiedsformel herrlich: "Mit vorzüglicher Hochachtung", Schade, dass man das heute nicht mehr so verwendet.
Der Vater meines Ex-Freundes hat am Telefon bei der Verabschiedung immer "Meine Verehrung" gesagt - das war so nett.

Wie auch immer: Kaum ist die Bewilligung da, bin ich schon daran, sie zu "helgaisieren".
Das heißt: Die Mühlen, doch an meinen Wunschort zu kommen, mahlen bereits.

Ich habe erst heute einen Blog entdeckt, wo es um etwas ganz anderes geht, trotzdem betrifft mich dieser Satz so sehr:
Nur glücklich war sie nicht.
"Ich hatte das Gefühl, dass das Leben an mir vorbeizieht." Hinwerfen wollte sie deshalb schon ziemlich oft. Endlich einmal etwas ganz anderes machen, daran hat sie häufig gedacht. Und doch hat sie sich immer wieder dagegen entschieden. Es hat lange gedauert, aber heute hat sie ihr Leben komplett umgekrempelt und sagt rückblickend: "Ich weiß nicht, wovor ich Angst hatte.
Quelle: spiegel.de 

Was das mit meiner Kur zu tun hat?
Nichts und doch alles.
Nie zufrieden sein.

Wenn ich wirklich ehrlich sein will, dann müsste ich meinen Job auch hinhauen.
Es ist langweilig.
Was mich hält? Nicht zu wissen, was ich sonst tun soll und ein sicheres Gehalt sind schon mal starke Argumente, nicht aufzustehen und "Tschau mit au" zu sagen.

Es ist komisch. Ich bin nie mit dem zufrieden, was ich habe.
Halt! Herr Nase und die Herren Katzen sind sehr oft bis immer davon ausgeschlossen.








Mittwoch, 3. September 2014

Tag 429 - Kur bewilligt

Eigentlich toll, nur leider nicht in meiner Wunscheinrichtung.
Wenn es nach der Pensionsversicherungsanstalt geht, komm ich für 22 Tage nach Oberösterreich und nicht ins Burgenland.

Ich werd mich mal schlau machen, ob ich das beeinspruchen kann...

Dienstag, 2. September 2014

Tag 428 - Garantiert

Im Grunde ist das hier ein Füllpost. Oder ein Lebenszeichen.
Es geht mir so lala, ich schlafe mal gut, dann wieder schlecht, was bei mir furchtbar an die Substanz geht.
Das nasskalte Wetter lässt mich meine Narben spüren, es ist nicht so toll, wenn man in einem Raum voller Jungs sitzt und sich am liebsten die schmerzende Brust halten würde.

Ich tauche durch meine Tage. Der Alltag hat mich wieder.
Jeden Tag marschier ich in's Büro, sehr gesprächig bin ich noch immer nicht, aber nicht mehr ganz so sprechfaul wie in den letzten Wochen.
Die neueste Erkenntnis:
Kick offs haben etwas von einem Treffen der Anonymen Alkoholiker. Jeder sitzt etwas ratlos herum und sagt, was er macht.
"Mein Name ist Helga, ich komme aus der Abteilung X und kümmere mich um..."

Auf den Nebenkriegsschauplätzen sieht es so aus, dass ich mich selbst auf Diät gesetzt habe und nicht sehr glücklich darüber bin.
Aber so geht's nicht weiter, ich hab seit der Diagnose gute 4-5 Kilo zugenommen. Schaut nicht toll aus.
Einer meiner Kollegen stellt einen Platz weiter eine Bonboniere und eine Roulade hin.
Wie nett *grml* Aber ich bin standhaft. Hoffentlich noch länger.
Schön, dass heute meine Sportkurse wieder los gehen.

Heute morgen war ich im Labor zur Blutabnahme, nachdem ich es gestern komplett vergessen habe.
Ich habe den Kopf so weit nach rechts gedreht wie es gegangen ist, sonst wär ich vom Sessel gerutscht. Beim Aufstehen war mir etwas schummerig,

Nächsten Montag ist der erste Nachsorge-Termin.
Jetziger Gefühlszustand: "Wenn da was wächst, kann ich es jetzt eh nicht ändern. Dann soll's wohl so sein."

Angst? Die kommt noch. Garantiert.



Mittwoch, 27. August 2014

Tag 422 - Schweigsam

Heute bin ich schweigsam.
Noch schweigsamer also.

Gleich in der Früh war ein Radiologentermin vereinbart, das erste Mal bei einem Arzt, den mir meine Hausärztin empfohlen hat.
Wie auch bei der Frauenärztin geh ich nicht mehr zu dem Radiologen, der den Knoten als nicht bösartig diagnostiziert hat.
Im Grunde darf man ja gar nicht darüber nachdenken.

Gut, dem Arzt also mein Handgelenk hingehalten, ein lieber, schon älterer Typ. Der schallt und findet - nix.
Ich: "Es ist manchmal gefüllter, praller. Die Sache ist nur die, ich hatte ein Mammakarzinom und deswegen ist jede Beule eine Katastrophe."
"Na bumm" sagt darauf der Radiologe, "wie alt waren Sie denn da?
"33"
Er schluckt und wiederholt dann, dass er nichts sieht, ich aber jederzeit ohne Termin und ohne Überweisung wiederkommen soll, wenn das Ding wieder größer wird.

Wieder draußen muss ich trotz Straßenbahn die gesamte Strecke bis zur Ubahn gehen, bis ich zu mir finde, mich gefasst habe.
Jeder Arztbesuch eine Herausforderung, egal, wie es ausgeht.

In der Arbeit will ich auch nicht viel reden.
So geh ich allein zum Mittagessen und esse schweigend meine Schinkenfleckerl.


Montag, 25. August 2014

Tag 420 - Brightside

Ohren mit "The Killers" zustöpseln.
Damit ich sitzenbleibe, obwohl ich viel lieber davonrennen würde um im Laub zu spielen.
Nix hören.
Niemanden anreden.

Ja, mein Wochenende war schön.





Donnerstag, 21. August 2014

Tag 416 - Allgegenwärtig

Im Grunde passiert im Moment nicht viel bei mir.
Theoretisch könnte ich etwas zu Ruhe kommen, rein äußerlich wirke ich auch recht entspannt.

In mir aber rotiert es.
Der Krebs ist allgegenwärtig.
Da stirbt ein Elternteil eines Kollegen an Krebs, dort erkrankt jemand erneut daran.
Lese ich Artikel, in denen es um etwas komplett anderes geht, taucht das Wort, die Krankheit auf.
Krebs ist allgegenwärtig.

Ich muss viel gehen um das Gefühl loszuwerden. Welches Gefühl überhaupt?
Ich weiß es nicht.

Ich will die Krankheit abstreifen wie eine alte Haut, Reißverschluss auf und raus steigt eine neue Helga.
Ohne Narben, ohne Nebenwirkungen. Ohne Angst.

Sonntag, 17. August 2014

Tag 412 - Schmand

An die werten Nachbarn in Deutschland und in der Schweiz:
Wo sagt man Schmand, wo saure Sahne und wo Sauerrahm?

Herr Hase (zu 25% Bayer) und ich sind sehr gespannt.
Ich geh dann mal backen. Marmorkuchen :-D

Mittwoch, 13. August 2014

Tag 408 - Urlaub

Nach ein paar Tagen im Frauenwellness-Hotel mit Familienanschluss urlaube ich nun in Wien weiter.
Mein Kopf ist wunderbar leer, ein bisschen daheim rumkramen, ein bisschen einkaufen, ein bisschen lesen und viel in's Narrenkastl (damit ist aber nicht der Fernseher gemeint) schauen.

Durch Benni auf das aktuelle Spiegel Wissen-Magazin aufmerksam geworden, gekauft und auch schon gelesen.
Ich find's gut. Und mutig.



Donnerstag, 7. August 2014

Tag 402 - 35

Pardauz, da bin ich doch glatt gestern 35 geworden.
Fünf.und.dreißig.

Wer hätte das gedacht?
Ganz ehrlich und ohne dramatisch sein zu wollen: Kurz nach der Diagnose dachte ich, das war's jetzt mit mir und meinem kleinen Leben.
Ein halbes Jahr noch und dann werd ich in einer Urne am Zentralfriedhof rumstehen.
Bin mit Herrn Hase zum Notar gegangen und hab mein Testament geschrieben.
Die Feststellung, Krebs zu haben, hat mich in meinen Grundmauern erschüttert.

Dann die Nachricht: keine Metastasen. Kurz danach wurde ein sauberer Sentinel entfernt. Zuletzt das außergewöhnlich gute Ansprechen auf die Therapie, bei der OP war der Krebs nicht mehr auffindbar.
Im Leo bin ich deswegen noch lange nicht, aber wie Helma so schön schrieb: Es schenkt soviel Hoffnung.

So wie es aussieht, geht es noch weiter mit mir.
35 also.
Ich bin sehr glücklich über diesen Geburtstag.


Dienstag, 5. August 2014

Tag 400 - Haare im August

Ich schaue nicht immer so verrückt drein *muharhar*

Morgen geht es wieder zum Friseur, ich kann mich zur Zeit aber einfach nicht für eine Farbe entscheiden.
Die burschikose Frisur taugt mir auch nicht wirklich, aber da hilft nur abwarten...

Samstag, 2. August 2014

Tag 397 - Prammer

Barbara Prammer ist tot.

Scheiß auf den verf*ckten Krebs.
Ich wusste schon kurz nach dem Aufwachen, dass das heute ein schlechter Tag ist.

Ich war so stolz, dass sie wie ich trotz Krebs arbeiten gegangen ist.
Und jetzt das...

Donnerstag, 31. Juli 2014

Tag 395 - Die Hand

... des Todes.




Nein, eh nicht.
Schaut nach einer Überbeanspruchung aus, sagte die Ärztin und hat mich nach Hause geschickt.

Hm, was macht man als Rechtshänder mit verbundener rechter Hand, die nicht bewegt werden soll?

Mittwoch, 30. Juli 2014

Tag 394 - Dippel

Tippt man in Google "Dippel am Handgelenk" ein, dann kommt die Synonym-Suche zum tragen.
Google weiß, dass "Dippel" das österreichische Wort für "Beule" ist und schlägt mir sogleich das Handgelenksganglion vor.

Montag Abend fällt mein Blick auf meine rechte Hand, da ist am Übergang von Hand zu Arm eine Vorwölbung, die wie ein Gelsenstich aussieht, aber nicht juckt, dafür bei Druck weh tut.
Herr Hase sitzt am Sofa gegenüber, kommt auf mein Kreischen auf meine Couch und beruhigt mich: "Das ist morgen wieder weg."
Ist es aber nicht, Dr. Google wird am nächsten Tag zu Rate gezogen.

Morgen geh ich zu meiner praktischen Ärztin, die soll sich das Ding ansehen und meinetwegen aufschneiden, punktieren, was auch immer. Mir wurscht.
Ich will nur hören: "Das ist harmlos."

Im Grunde fürchte ich mich auch nicht, aber trotzdem schwirrt in meinem Kopf der Gedanke "Bloß nicht noch eine schlimme Diagnose." herum.
Auch nach der "Heilung" bin ich 5 Jahre lang Risikopatient.
Das bedeutet unter anderem, dass man sich bei jedem Scheiß Gedanken machen und zum Arzt laufen muss.

Montag, 28. Juli 2014

Tag 392 - Willkommen

Hausräumung in Wien



Mehrere hundert Polizisten räumen ein von 50 Punks besetztes Haus in Wien.
Willkommen im schönen Staat Österreich!

Samstag, 26. Juli 2014

Tag 390 - (Nicht) doof

Aus Angst vor akuter Verblödung vor Tagen wieder zum guten alten Thomas Bernhard gegriffen.
Festgestellt, dass ich nicht doof, sondern desinteressiert und unkonzentriert bin.

Dafür war die Woche mehr als doof, auch in der Arbeit.
Es muss ja immer was sein.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Tag 388 - Masken

Ich laufe mit einer Maske, einer Fassade durch's Leben.
Das macht jeder, ich in der Regel, um mir die Menschen vom Hals zu halten.

Im Leben mit/nach Krebs fällt es mir leichter und auch schwerer, sie nicht zu verlieren.
Im Normalbetrieb ist es leichter, da versuche ich die "Freundlich, aber distanziert"-Maske zu zeigen.

Nur wenn's brodelt, dann wird es bitter. Dann schaff ich es kaum, die Emotionen in Schach zu halten.
Dann rutscht die Maske runter, obwohl ich sie doch so dringend brauche. Damit nicht jeder sehen kann, wie sehr mich dieser verdammte Krebs verwundet, geschwächt und verstümmelt hat.

Wann hört das auf?

Sonntag, 20. Juli 2014

Tag 384 - Sonntag

Sonntag, an dem man mit dem kleinen Bruder im Pool plantscht. Sich angeregt mit dem 2jährigen Sohn des Cousins unterhält, der wie der geliebte Großvater heißt und auch aussieht. Leider konnte er mir nicht beantworten, ob er mein reinkarnierter Opa sei.
Marillenkuchen, Grillkäse, Spritzpistolen, Sommerhitze, Weißwein, Chlorwasser.
Tatort, aber nur der mit Jan Josef Liefers.
Sonntag.

Freitag, 18. Juli 2014

Tag 382 - Zombieland

Ob es Zufall ist, dass ich heute Nacht von einer Zombie-Invasion geträumt habe? Wohl kaum.

Aber es waren nicht die schlurfenden, fast ungefährlich wirkenden, nein, es waren schnelle, brutale, die einen in Stücke hauen und in Windeseile auffressen.

Die Tränen laufen leise. Viel lieber aber würde ich schreien und mit Dingen um mich werfen.

                                              Quelle: http://zockblogat.blogspot.co.at/

Dienstag, 15. Juli 2014

Tag 379 - Nachbesprechung

Die aktive Behandlung ist beendet.
Ich habe 3 Operationen (inkl. Port), 6 Chemos, 27 Bestrahlungen, 11 Herceptin-Monoinfusionen hinter mich gebracht. Hört sich nach gar nicht so wenig an, hm?
Hat auch 1 Jahr gedauert.
Jetzt beginnt die Nachsorge.

Vor dem Termin im Krankenhaus sitze ich im Büro und fühle mich klein und zerbrechlich. Was werden sie mir im Brustzentrum sagen? Welcher Arzt wird dort sein?
Muss ich jetzt ganz alleine auf mich Acht geben?
Wie oft werde ich zur Kontrolle müssen? Wie sieht das Rezidivrisiko aus?

Kurz danach sitze ich auch schon im Wartebereich des Brustzentrums. Eine ältere Frau spricht mich an: "Sind Sie auch operiert worden?"
Sie sagt mir auch, dass sie vor der drohenden Chemo Angst hat.
Ich bin nicht recht in der Laune mich zu unterhalten, aber eines will ich ihr mitgeben: "Eine Chemo ist nicht angenehm, aber sie bringt Sie nicht um."
Dann werde ich schon aufgerufen und tatsächlich sitzt im Untersuchungsraum mein Lieblings-Oberarzt.
Er schaut sich nochmal die Untersuchungsergebnisse an, gratuliert zu der unauffälligen Knochenszinti und bespricht mit mir das weitere Vorgehen.

Anfang September habe ich eine CT- und Ultraschalluntersuchung, danach alle 3 Monate Kontrollen. Für den Rest ist der "normale" Gynäkologe zuständig, d.h. ich werde in die Privatordination des Lieblings-OA wechseln. Zu meiner alten Ärztin will ich nicht mehr, nicht, dass ich etwas vorwerfe.
Aber ich will einen Arzt haben, dem ich vertraue, der sich Zeit nimmt. Dafür bezahle ich gerne.

Zum Schluss sagt er mir noch eines: "Es ist nicht häufig, dass ein Tumor auf die Behandlung so gut anspricht wie bei Ihnen."
Ich sollte mich darüber freuen, aber irgendwie klappt das heute nicht.



Donnerstag, 10. Juli 2014

Tag 374 - Anders

Wenn ich mir Fotos von früher ansehe, erkenne ich mich nicht mehr.
Ich weiß, dass ich die Frau mit der wechselnden Haarlänge und Farbe bin, aber ich kann keinen Bezug mehr zu meinem früheren Ich herstellen. 

Mein jetziges Spiegelbild überrascht mich hingegen nicht, ich bin nicht größer, nicht kleiner geworden, höchstens etwas fülliger, aber das fällt nicht wirklich auf.
Der Unterschied zu früher ist die Frisur und die jetzt wesentlich häufiger getragene Brille.
Es dauert noch eine Zeit, bis die Herceptin-Nebenwirkungen verschwinden und meine Augen nicht mehr staubtrocken sind.

Der Lieblingskollege meinte vor Monaten die 5mm-Frisur würde mir besser stehen als die halblangen Haare, die ich am Foto meines Mitarbeiterausweises trage. Wie ich mein Haar in Zukunft tragen werde, weiß ich noch nicht - ich hab seit Wochen eine Blondierung zu Hause, mal sehen, vielleicht werd ich ja noch platinblond.

Meine Kleidung ist nicht mehr ausschließlich schwarz, mittlerweile kommen auch andere Farben dazu.
Fotos von mir mit Anfang 20 in schwarzer Kluft und schwarzem Haar tun mir fast weh, es ist mir zu düster geworden.

Auch mein Musikgeschmack hat sich verändert, speziell ist er wohl noch immer, aber jetzt ist er irgendwie kraftvoller. Schreien die Herren los und wummern die Gitarren, gibt mir das Antrieb.

Mein Wesen: Noch immer bin ich sehr direkt für Wiener Verhältnisse, für manche abschreckend mit meiner Waldviertler Kühle, aber insgesamt fröhlicher, lebensbejahender, offener.
Ich gehe leichter, schneller auf Menschen zu.

Ich frage mich oft, was der Krebs an meinem Leben verändert hat. Meine Lebensumstände haben sich nicht sehr geändert, ich hab nicht den Job, die Wohnung, den Partner gewechselt.
Aber ich bin anders. Und kann es nicht schlecht finden.


Mittwoch, 2. Juli 2014

Tag 366 - Ein Jahr

Da ist er nun, der erste Jahrestag der Diagnose.

Meine Stimmung in den letzten Tagen war eher, hm, düster, auch wenn ich sehr erleichtert über den unauffälligen Befund der Knochenszintigraphie war.
Ich weiß nicht, ob das am nahenden Jubiläum lag oder einfach an der momentan vorherrschenden Erschöpfung. Fatique erster Kajüte würde ich sagen.


In dem Jahr gab es ein stetiges Auf und Ab, ein Schwanken zwischen Hoffnung und Angst.
Der Krebs hat mir viel genommen, aber auch viel gegeben.

Mit zwei Menschen habe ich keinen Kontakt mehr, sie haben sich nach der Info, dass ich krank bin (ohne das K-Wort zu erwähnen) einfach nicht mehr gerührt.
Das waren keine engen Freunde, mehr Bekannte und naja, so der Smalltalk- und "lass uns einmal bis zweimal im Jahr treffen und dabei nur Plattitüden austauschen"-Mensch war ich eh nie.
Daher kein Verlust.

Die Beziehung zu meiner Mutter hingegen ist viel, viel, viel besser geworden. Sie hat bewiesen, dass sie sich kümmert und ist immer da gewesen, wenn ich sie gebraucht habe.
Ja, mein Mann. Ein Wiener Grantler, der oft nicht viel sagt.
Aber wenn's um was geht, ist er da. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was es mir bedeutet, was er im letzten Jahr für mich gemacht hat und wie er mir beigestanden hat. Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn habe. Ein Freund in der Not ist ein wahrer Freund.

Die Wertschätzung und Unterstützung in der Arbeit. Nicht erwartet, aber sehr schön.
Meine 2-4 Freunde, die da waren, die immer wieder interessiert nachgefragt haben, wie es mir geht.

Und jetzt?
Ich habe viele Pläne, einige Baustellen. Ich werde die Brust machen lassen, auf Kur fahren, meine Augen lasern lassen (nie wieder Linsen mit trockenen Augen), Zähne richten, die "ich muss mich abgrenzen"-Tätowierung weiter entfernen lassen.
Beruflich wird's im Herbst spannend.
Früher habe ich viel aufgeschoben, heute geh ich es an.


Ich seh das Leben trotz oder weil Rückfallgefahr und Nebenwirkungen jetzt anders.
Wie ich mich fühle?
Weder gut noch schlecht, anders eben. Ich bin eine andere. 

Sonntag, 29. Juni 2014

Donnerstag, 26. Juni 2014

Tag 360 - Kollegenschreck

Im Gespräch mit einer jungen Kollegin, die erst seit einiger Zeit bei uns arbeitet. 
Ich: "Deine Haare sind jetzt anders"
Sie: "Ja, sie sind jetzt etwas heller gefärbt."
Ich: "Das ist eine schöne Farbe, du hast so lange und viele Haare."
Sie: "Hattest du deine Haare immer so kurz?"
Ich: "Die hab ich nicht absichtlich so kurz."
Sie: "Und warum hast du dann kurze Haare?"
Ich: "Ich musste eine Chemo machen..."
Der Armen ist das Gesicht entglitten. Was mir wirklich leid tut.

Wochen zuvor: 
Der Lieblingskollege und ich sprechen über ein Projekt, das uns einige Wochen gequält hat.
Ich: "Ich hätte gar nicht kommen sollen. Mir ist das Projekt sowas am *rsch vorbei gegangen, ich hab andere Probleme."
Er: "Wieso? Der Krebs ist doch jetzt weg und vorbei?"
Ich: "Ja, schon. Aber nach einer Krebserkrankung ist man 5 Jahre Hochrisikopatient und die Rückfallquote ist nicht zu verachten."
Er: "So gesehen hast du recht. Wen interessiert dann schon dieses Schei*-Projekt?"
Danach Schweigen. Das Thema ist eben ein echter Partycrasher.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass mich meine Kollegen schriftlich bewerten müssen.
Mein Wesen wurde mit "happy und witzig" klassifiziert (happy? ich? so formuliert?), die fachliche Komponente wurde eher mit so lala benotet. Ich bin dann um 04:30 aus dem Schlaf geschreckt und seither auch wach. Prickelnd.
Ich glaub, ich seh mit dem linken Auge schon schlechter. Ich hoffe, diese Schlaflosigkeit/Appetitlosigkeit geht bald wieder vorbei. Als ich vorhin draußen war, kam noch eine ziemliche Lichtempfindlichkeit dazu (Blauäugigen-Schicksal), die Kombination hatte schon etwas... ähm... vampirartiges an sich.


Montag, 23. Juni 2014

Tag 357 - Röntgen

Heute war die Knochenszinti, Ergebnis gibt es aber erst am Freitag.

Nach der Untersuchung war ich auf der Gyn, um meinen Radiologie-Befund zu erfragen. Das Röntgen ist unauffällig, kein Hinweis auf Dinge, die nicht dort hingehören.

Ich bin erleichtert, bevor ich aber zu jubeln beginne, möchte ich das Ergebnis der Knochenszinti abwarten.
Da will man doch glatt eine rauchen...
Wenn ich denn noch rauchen würde.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Tag 352 - To call or not to call

Das war die Frage.
Ich hab nicht angerufen, nach Rücksprache mit Herrn Hase und dem besten Freund hab ich beschlossen, nein, ich rufe nicht an, jedenfalls nicht heute.
Ich bin am Montag ohnehin zur Knochszinti dort und werde auf die Station gehen und persönlich nachfragen. Face to face.

Die Vorstellung, jetzt am Nachmittag - eigentlich noch in der Arbeit sitzend - am Telefon eine schlechte Nachricht zu erhalten, gefällt mir weniger als die Idee, nächste Woche dort das Ergebnis zu bekommen.
Am Befund ändern kann ich sowieso nix.

So werd ich heute zum Ikea fahren, mich danach zum Inder bewegen und ein Glas Weißwein trinken. Oder zwei.

Montag kommt früh genug.

Weiß jemand, wie lange das Knochenszinti dauert, also wie lang ich nach der Injektion warten muss?



Dienstag, 17. Juni 2014

Tag 351 - Erste Male

Ich finde, es ist spannend, gewisse Sachen das erste Mal nach der Diagnose, quasi in seinem zweiten Leben neu zu erleben.
Einige erste Male habe ich ja schon hinter mir. Das erste Mal wieder schwimmen, das erste Mal auf Urlaub fahren, ins Ausland reisen...

Vergangenes Wochenende habe ich 2 Dinge getan, die ich seit der Krebsdiagnose im Juli 2013 nicht mehr gemacht habe.

Am Samstag war ich beim Friseur.
Im Grunde nix Besonderes, es war ein 9 Euro Haarschnitt bei einer großen Drogeriekette. Die Friseurin war eine ganz Nette, die mir mit Rasierer und Schere nur die Seiten und den Nacken gemacht hat. Sie meinte, es sieht aus als würde ich Locken haben bzw. bekommen (wer weiß!).
Es hat nicht mehr als 15 Minuten gedauert, aber: Es waren zwar kurze, aber dafür viele Haare, die geschnitten wurden und alleine das Prozedere, den Mantel umhängen, das vor dem Spiegel sitzen war ein Erlebnis.

Sonntags war es dann Zeit für eine weitere Premiere.
Ich wohne in Wien, zwar am Stadtrand, aber eben in Wien, wo es vermutlich eines der besten öffentlichen Verkehrsnetze in Europa gibt. Parkplätze sind rar und Garagen sind teuer, folglich hab ich kein Auto.
Aber eine kleine Plastikkarte, mit der man Miet-Smarts öffnen kann.
Nie ein wirklich routinierter Autofahrer gewesen, hab ich mich immer ein bisschen gedrückt zu fahren, Großstadt-Verkehr und so. Nur zu wichtigen Anlässen wie zur Hochzeit der besten Freundin auf dem Land bin ich selbst gefahren.
Am Sonntag ist so ein kleiner Flitzer vor der Haustür gestanden, ich hab die Gelegenheit am Schopf gepackt, bin eingestiegen, Herrn Hase auf den Beifahrersitz gesetzt und los gefahren.
Voll toll.
Ich hab Haare und kann Auto fahren. Für mich ist das viel und wichtig, Meilensteine quasi, die ich auf meiner internen Checkliste abhaken kann.
Normales Leben.

Nebenbei erwähnt: Der Befund vom Röntgen ist natürlich noch nicht fertig, es muss ihn noch eine OÄ vidieren (ist Standard) - also selbes Spiel morgen wieder.
Vermutlich fall ich dann wegen Schlafmangels einfach um, egal wie das Ergebnis aussieht.

Trotzdem: Bitte Daumen drücken!




Samstag, 14. Juni 2014

Tag 348 - Break the silence

Es ist wahrscheinlich kein Geheimnis, dass es mir seit der letzten, seit gestern eigentlich vorletzten Herceptingabe nicht besonders gut ging.
Am Tag nach der Infusion hab ich von Herrn Hase eine ordentliche Verkühlung übernommen.
Die hab ich noch eine Woche später in  Bratislava gespürt und nach einer nicht so tollen Nacht bin ich am Samstag völlig fertig wieder in Wien angekommen.
Meine körperliche Verfassung lässt zu wünschen übrig. Das macht mir Angst.

Dass Herceptin wieder einen Akneschub hervorgerufen hat, hat die Sache zwar nicht besser gemacht, fiel aber diesmal nicht in's Gewicht. Das ist vor allem ein kosmetisches Problem.
Was mich tatsächlich beunruhigte, war, dass mir die betroffene Brust seit Tagen, Wochen weh tut und auch ein bisschen Talg (?) rauskommt.

Dass mich die Rippen und auch das Becken schmerzen, hat mich nicht sehr besorgt, da OPs und die Bestrahlung eben Spuren hinterlassen. Generell hab ich Probleme mit dem Bewegungsapparat und Kreuzweh habe ich praktisch schon seit immer.

Trotzdem war die Kombination nicht so toll, auch die bleierne Müdigkeit hat aus mir eine in sich zurückgezogene, ängstliche, düstere Helga gemacht.
Nicht panisch. Resignierend.
Tränen hatte ich kaum, denken konnte ich aber kaum an was anderes.
Zuhause war ich sehr still, die Fassade einer aufgeräumten "Gesunden" hält nur in der Arbeit.
Wenn mich Herr Hase wegen irgendwas aufgezogen hat, hab ich gefaucht und mich schnell verzogen.

Gestern also wieder in's Spital zur Herceptin-Therapie, dort meine Sorgen vorgetragen. Die Brust hat niemanden berunruhigt, aber bei meiner beiläufigen Bemerkung über mein Becken hab ich das Erschrecken in den Gesichtern der Turnusärztin und der Schwester gesehen.
Mein Lieblings-Oberarzt wurde herbeitelefoniert, er hat die Brust inspiziert und die Talg-Absonderung als normal bezeichnet. Der Eingriff war kein kleiner und die Brust arbeitet noch.
Die Knochenschmerzen machen ihm auch keinen Kopf, aber wie er sagte, machen wir eine Knochenszinti, damit ich beruhigt bin. Gestern ist mein Becken geröntgt worden und die Szintigraphie findet in 10 Tagen statt.

Irgendwie bin ich jetzt beruhigt. Wenn da etwas ist, wird es bald gefunden.

Daheim angekommen hab ich meinem Mann erzählt, was Sache ist.
Wobei ich nicht viel erklären musste, er kennt mich lang und gut. Herr Hase ist zuversichtlich, dass ich gesund bin.
So will ich es auch sein.






Montag, 2. Juni 2014

Tag 336 - Angst

Seit Tagen kämpfe ich mit bzw. gegen die Angst.
Dann lese ich Sätze wie: "Diese HER-2/neu-rezeptoren will niemand haben..."

Das sitzt ordentlich.
Ich will sie auch nicht haben, der Krebs wächst dann viel aggressiver als ohne diese Rezeptoren.
Oder will ich sie doch? Schließlich gibt es den Antikörper Herceptin, der das Wachstum von Krebszellen verhindern soll.
Ich will weder noch, ich will gesund sein.

Ich bin weinerlich. Und still.
In der Arbeit fällt das nicht auf.
Ich bin von Haus aus ruhig und zurückgezogen, außerdem fehlen den Herren die Antennen und wahrscheinlich auch das Interesse, um meinen Gemütszustand zu erkennen.
Das ist auch gut so.
Ich will mit niemandem darüber reden. Eigentlich auch nicht schreiben, aber es hilft, meine Gedanken zu ordnen.

Die erkrankte Brust tut weh, im Krankenhaus haben sie mir das letzte Mal gesagt, dass das Narbenschmerzen sind. In meiner Phantasie wächst da bereits wieder etwas.
Ertasten kann ich bei der Brust nichts mehr. Dadurch, dass die Ärztin die Brust bei der OP quasi einmal umgerührt hat, ist da unter der Narbe ein großes Areal, das hart ist, die Bestrahlung wird ihr Übriges getan haben.

Ich denk, diese Angst-Phasen sind normal, aber der Schnupfen, den ich eben hatte und die mangelnde Kondition machen mich nachdenklich.
Die Hausärztin meinte, das Immunsystem sei das Um und Auf. Jetzt macht mir natürlich jeder Husten, jeder Schnupfen, jede Übelkeit, jede Schwäche Sorgen.
Die nette Benommenheit  ist weg.

Ich würde so gern mein Leben genießen. Froh sein, dass ich es bis hierher geschafft habe.
Ich kann's grad gar nicht.


Sonntag, 1. Juni 2014

Tag 335 - Bratislava

Ausblick von der Burg Devin, die etwas außerhalb liegt




In der Stadt




Ganz kann ich mich mit Bratislava nicht anfreunden. Die Stadt ist aber sehr schön und vor allem die Fahrt mit dem Twin City Liner war toll.

Perdita, wenn du nach Wien kommst, machen wir eine Wien-Rundfahrt auf der Donau, ich bin jetzt auf den Geschmack gekommen.


Mittwoch, 28. Mai 2014

Tag 331 - Krank

Ich bin seit Samstag mehr oder weniger krank.
Eine saftige Verkühlung mit allem Drum und Dran, Kopfweh, Schwäche etc.

Herr Hase hat vergangenen Mittwoch mit Fieber und Schnaufen angefangen, hat aber wie durch ein Wunder überlebt ;) und mich dann netterweise angesandelt.
Ich bin nicht in die Arbeit gegangen, ich hatte Montag ohnehin einen Arzttermin vereinbart, also hab ich mich gleich krankschreiben lassen. Freitag will ich wieder fit sein, aber nicht um in die Firma zu gehen, sondern weil wir einen Trip nach Bratislava geplant haben. Mal sehen, ob's klappt, aber ich bin zuversichtlich.
Früher wär ich auch mit einer Erkältung in's Büro gegangen, jetzt seh ich darin keinen Sinn.
Meine Ärztin meinte: "Hören Sie auf Ihren Körper." - Mach ich, der mag nicht.

Ich hab mir nun endlich von der besagten Ärztin einen Antrag für die Kur geholt, jetzt muss ich das Ganze nur mehr mit den Befunden einreichen.Ich hab ihr auch nochmal den Befund vom Staging mit gebracht, da der Radiologe damals auch kortikale Nierenzysten entdeckt hat.
Laut Aussage meiner praktischen Ärztin braucht man das nicht weiter zu verfolgen, da diese harmlos sind. Ich hab nie danach gegoogelt und werde es auch dabei belassen.

Jetzt werd ich mir einen Tee machen und einen Film gucken, man sieht, es gibt weit Schlimmeres als ein bisschen Zeit zu Hause zu verbringen.


Freitag, 23. Mai 2014

Tag 326 - Herceptunes

Heute mit meiner absoluten Lieblingsband:


Herzecho war diesmal bei einem jungen, dunkelhaarigen und großen  - mit einem Wort - sehr feschen Kardiologen *uff*

Donnerstag, 22. Mai 2014

Tag 325 - Alp

Ich bin in Thailand.
Ich werde in einem Haus festgehalten, das ich nicht kenne.
Langsam bekomme ich raus, dass ich nicht weg kann, weil ich in Thailand mit Drogen erwischt worden bin.
Ich bin dann zwar wieder nach Hause entkommen, kehre aber nochmal zurück und hab mich nochmal mit Rauschgift erwischen lassen.
Jetzt darf ich nie wieder aus dem Haus bzw. aus dem Ort raus und kann mein Leben nicht mehr länger in Freiheit verbringen.

Quelle: http://ffffound.com/

Ich - in Asien? Eher unwahrscheinlich.
Ich - Drogen? Nicht wirklich, oder?

Ich bin dann aufgewacht und war etwas verwirrt. Die Geschichte mit Thailand und den Drogen ist eh ein alter Hut, eine Version dieser Geschichte habe ich vor ein paar Tagen in einer Serie gesehen und habe das wohl als Material verwertet.
So, nun bin ich also einmal erwischt worden (Erkrankung), bin entkommen (erfolgreiche Therapie) und im Traum war ich schon weiter, nämlich bei einer eventuellen Neuerkrankung.
Der kann was, der Alp.

Seit Tagen denk ich gelegentlich an den ersten Nachsorgetermin und was dabei entdeckt werden kann.
Dabei dauert es noch:  Herceptin läuft noch drei Mal, danach wird erst eine Untersuchung gemacht.

Die Angst vor bösen Überraschungen kann mir niemand nehmen.
Diese Angst muss mir aber auch niemand nehmen können, sie gehört dazu, sie kommt in Wellen und ist dann wieder weg, sie lässt sich unterdrücken, wegschieben, bis sie sich in meine Träumen stiehlt.
Ich behaupte, das ist ok.
Man muss die Angst aushalten können. So gesehen wird es mich hoffentlich nur im Anlassfall reißen.

Seit die Temperaturen in Wien über 20 Grad sind, kratzt mich ohnehin wenig, ich fühle mich ein bisschen benommen, verträumt latsche in die Arbeit und tauche durch den Tag.
Ich sitz in meinen Meetings, bin vollkommen emotionslos und lächle still vor mich hin.
Dieser Zustand ist nicht unangenehm, nein, es ist alles irgendwie in Watte gepackt.
Es ist friedlich.







Freitag, 16. Mai 2014

Tag 319 - Sport

Sport ist Mord war früher meine Devise.
Als Kind habe ich Medaillen in Leichtathletik und Schwimmen geholt, als junge Erwachsene war aber davon nicht mehr viel zu merken.

Nachdem ich mit 30 aufgehört habe zu rauchen und binnen eines halben Jahres 10 Kilo zugenommen hatte, bin ich zu Mrs. Sporty marschiert - ja, wirklich.
Abgenommen hab ich dadurch nicht, das kam erst durch eine Ernährungsberatung, aber ich hatte einen schönen Muskelaufbau und auch die typischen Beschwerden eines Bildschirmarbeiters wurden weniger.
Nachdem ich Mrs. Sporty nach über einem Jahr Mitgliedschaft ziemlich affig fand und mir die Vorturnerinnen auf die Nerven gingen, hab ich nach was anderem gesucht.

Unweit unserer Wohnung bietet ein Sportverein Kurse für relativ wenig Geld an. Diese Kurse habe ich vor der Diagnose ein Jahr lang regelmäßig besucht. Dann kam die Krankheit bzw. die Behandlung dieser und ich habe meine Mitgliedschaft ruhend gestellt. Mit Mützchen wollte ich dort nicht antanzen, man stelle sich vor, das wäre mir bei den Übungen abhanden gekommen, es wäre einem Supergau gleichgekommen.
Außerdem fehlte mir auch Kraft und Willen. Als die Chemo vorbei war, wurde ich operiert, dann bestrahlt. Sport fiel also erst recht wieder aus.

Die Bestrahlung ist nun seit 5 Wochen vorbei und ich komme immer mehr zu Kräften. Der Zeitpunkt war also gekommen, und seit dieser Woche bin ich wieder aktives Mitglied meines Sportvereins.
Dienstags ging's los.
Ich war überrascht, wie leicht mir der Einstieg fiel. Die Hantel hab ich noch weggelassen und ich habe am nächsten Tag gespürt, dass ich ein Jahr nichts gemacht habe, aber es hat sich doch sehr in Grenzen gehalten.
Gestern war ich in Wirbelsäulengymnastik, auch hier: Ja, ich war lang nicht mehr dabei, aber es war ok.





Dienstag, 13. Mai 2014

Tag 316 - Kurvenkratzer

Ich habe gestern ein Mail bekommen mit der Bitte über das Projekt "Kurvenkratzer" zu posten.

Es geht hier um ein Projekt, dass von der Österreicherin Martina Hagspiel ins Leben gerufen wurde.
Martina hat wie ich mit Anfang 30 die Diagnose Brustkrebs erhalten.

Laut der Mail möchte sie, "Betroffenen etwas geben, dass sie [selbst] bei ihrer Diagnose dringend gebraucht hätte: Wissen und Erfahrungen aus erster Hand über die psychischen und physischen Konsequenzen der Diagnose und Behandlung von Brustkrebs".
Daher wird das Kurvenkratzer-Team mit Menschen, die vom Lebensumstand Brustkrebs betroffen sind, Interviews führen und sie über Ihre Erfahrungen, Ihre Ängste, Ihre Erfolgserlebnisse und Ihre Erkenntnisse befragen.
Davon werden 25 Fälle genommen und in Buchform gebracht.

Finanziert soll das Buch über Crowdfunding werden, d.h. erst wenn genug Kohle da ist, wird gedruckt. Wenn nicht genug Mittel zusammenkommen, dann gilt die Finanzierung als gescheitert und es wird den Unterstützern nichts abgebucht.
Aktuell wird das Buch über KICKSTARTER bereits im Vorverkauf verkauft, hier die Facebook Seite Kurvenkratzer - Close Calls

Die Website an sich ist zwar etwas sperrig, aber die Idee dahinter finde ich gut.
Ich kann mich noch erinnern, dass ich, nachdem ich die Diagnose endlich halbwegs verdaut habe, nach Erfahrungsberichten anderer Betroffener gesucht habe und anfänglich im deutschsprachigen Bereich nicht viel gefunden habe.
Daher der Post über dieses Projekt, ich bin schon gespannt, wie das Ergebnis aussehen wird.

Samstag, 10. Mai 2014

Tag 313 - Tage wie dieser

... sind zum Kotzen.
Ok, vielleicht nicht zum Kotzen, aber zum Haareraufen. Dieselbigen führen aktuell ein Eigenleben und krümmen sich lustig und stehen vom Kopf ab.

Wir waren ein paar Tage weg, ein paar Tage aus der Stadt raus, in einer Therme nahe der tschechischen Grenze.
Mein Tag sah dort ungefähr so aus: aufwachen, frühstücken, plantschen, Kaffee trinken, plantschen, Rätsel lösen, plantschen, lesen, Abendessen.
Braucht man mehr? Ich nicht.

Zuhause jetzt schlechte Laune. Ohne scheinbaren Grund. Oh doch, ich muss am Montag wieder ins Büro.
Und damit es sich auszahlt, weiß ich seit gestern nichts mehr recht mit mir anzufangen und hab mich ins Arbeitszimmer verzogen, wo ich 80er-Pop höre.
Langweilig.
Ich nerv mich grad mal wieder selbst.


Donnerstag, 8. Mai 2014

Tag 311 - Phoenix


Also: Grundsätzlich nervt die Dame schon ein bisschen, zumindest hier in Wien.

Aber: Da ich nicht akzeptieren kann, dass arrogante und machthungrige Männer den Menschen vorschreiben wollen, wie man leben, wie man denken soll, finde ich, dass Conchita Wurst ein schöner Tritt in die Gesichter dieser Idioten ist.

Heute im Song-Contest-Halbfinale für Österreich, Conchita Wurst mit "Rise like a Phoenix".

Mittwoch, 30. April 2014

Tag 303 - Klärungen

Gestern war ich wieder im Krankenhaus, diesmal um meine Psychologin zu treffen.
Die Erlebnisse bei den Herceptingaben haben mich so verstört, dass ich mit ihr darüber reden wollte.

Da der Abbruch der Therapie keine Option ist, musste das Ganze geklärt werden. 
Der Ablauf der Therapien im Februar und zuletzt im April haben nochmal gezeigt, wie sehr mir die Art und Weise der Behandlung meine Selbstbestimmung stört und mir die Kontrolle über mein Leben nimmt, ich mich ohnmächtig und nicht wahr - bzw. ernstgenommen fühle. Die von mir so empfundene Mentalität "friss oder stirb" stößt mir extrem auf. Beende ich die Therapie vorzeitig, [weil ich mit dem Ablauf nicht zurecht komme,]steigt das Wiedererkrankungsrisiko. Also muss ich fressen. 
Oder solange reden, bis es auch anders geht.
Obwohl ich meiner psychoonkologischen Betreuung vertraue und sie schätze, hab ich in der Nacht davor schlecht geschlafen.
Das Thema liegt mir im Magen.

Die Psychologin sagt, bei mir wäre die "Spitalsflucht" stark ausgeprägt und dass sich junge Frauen stärker gegen das verzopfte System und "in die Warteschleife hängen" wehren als ältere Damen.
Mit jeder weiteren Behandlung schwindet die Toleranz, die Unsinnigkeiten, die in dem Spitalsbetrieb auftreten, zu akzeptieren.
Sie meint auch, dass es mein gutes Recht ist gegen eine Behandlung aufzubegehren, die mir schadet.

Sie hat dann in der Onkologie angerufen und mein Kommen für Freitag avisiert, die Sekretärin weiß dort Bescheid, dass ich so schnell wie möglich drankomme.
Meine übliche Breast Nurse, habe ich bei dem Gespräch erfahren, ist in Krankenstand und wird wahrscheinlich auch nicht mehr in der gewohnten Form zurückkommen, das Wort „Burnout“ ist gefallen.
Ich möchte mit den Schwestern nicht tauschen wollen, aber ich bin mir sicher, sie mit mir auch nicht.

Kurz haben wir auch die Bestrahlung und die damit verbundenen Ängste thematisiert. 
Ich hab immer wieder das Bild im Kopf, im Auto zu sitzen und gegen die Wand zu fahren. Immer und immer wieder. Gang rein, gegen die Wand fahren, immer und immer wieder.
Es schreit und tobt dann in mir, wie bei einem kleines Kind, warum ich, warum nur ich?
Ich war kein böser Mensch, warum hab ich Krebs bekommen, warum nur?
Es ist eine Mischung aus Wut und Verzweiflung. Die Psychologin sagt, man spürt die Wut in mir.
Was soll das? Nicht nur, dass ich mindestens ein Jahr verschissen habe, nein, auch mein weiteres Leben wird dadurch beeinflusst, gestört und möglicherweise verkürzt.

Krebs ist nix, was man einfach abhaken kann unter dem Punkt „been there done that“, nein, es hilft nichts, zu sagen, du bist jung, leb dein Leben.
Ja, ich bin jetzt ausgeglichener als vor dem Krebs, weil mir mehr Sachen als vorher einfach wurscht sind, weil ich mir jetzt noch leichter tue, das durchzusetzen, was ich will.
Nur, war’s das wert? Hätt ich nicht weiter mit meinem alten Ich und ohne Krebs weiter leben können, besser leben können?
Diese Ungerechtigkeit wird mich mein Leben lang immer wieder wurmen.

Natürlich ist es auch gut, dass ich mich jetzt noch weiter abgrenzen kann. Natürlich ist es gut, dass ich nicht mehr nach Eventualitäten lebe, nicht alles doppelt und dreifach checke, sondern einfach mache.
Aber den Preis dafür will ich nicht zahlen. Den Krebs dafür hab ich nicht gebraucht.
Scheiß Wut.
Scheiß Krebs.

Tief durchatmen.
Und tatsächlich geht’s mir jetzt besser. Ich hab durch das unbequem sein und Nachbohren meine Selbststimmung ein Stückchen wiedererlangt.
Ich hoffe, es ist geklärt.


Freitag wieder.