Sonntag, 29. Juni 2014

Tag 363 - Killer

Ich lebe mit mindestens einem Killer unter einem Dach. Hier das bedauernswerte Opfer:


Donnerstag, 26. Juni 2014

Tag 360 - Kollegenschreck

Im Gespräch mit einer jungen Kollegin, die erst seit einiger Zeit bei uns arbeitet. 
Ich: "Deine Haare sind jetzt anders"
Sie: "Ja, sie sind jetzt etwas heller gefärbt."
Ich: "Das ist eine schöne Farbe, du hast so lange und viele Haare."
Sie: "Hattest du deine Haare immer so kurz?"
Ich: "Die hab ich nicht absichtlich so kurz."
Sie: "Und warum hast du dann kurze Haare?"
Ich: "Ich musste eine Chemo machen..."
Der Armen ist das Gesicht entglitten. Was mir wirklich leid tut.

Wochen zuvor: 
Der Lieblingskollege und ich sprechen über ein Projekt, das uns einige Wochen gequält hat.
Ich: "Ich hätte gar nicht kommen sollen. Mir ist das Projekt sowas am *rsch vorbei gegangen, ich hab andere Probleme."
Er: "Wieso? Der Krebs ist doch jetzt weg und vorbei?"
Ich: "Ja, schon. Aber nach einer Krebserkrankung ist man 5 Jahre Hochrisikopatient und die Rückfallquote ist nicht zu verachten."
Er: "So gesehen hast du recht. Wen interessiert dann schon dieses Schei*-Projekt?"
Danach Schweigen. Das Thema ist eben ein echter Partycrasher.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass mich meine Kollegen schriftlich bewerten müssen.
Mein Wesen wurde mit "happy und witzig" klassifiziert (happy? ich? so formuliert?), die fachliche Komponente wurde eher mit so lala benotet. Ich bin dann um 04:30 aus dem Schlaf geschreckt und seither auch wach. Prickelnd.
Ich glaub, ich seh mit dem linken Auge schon schlechter. Ich hoffe, diese Schlaflosigkeit/Appetitlosigkeit geht bald wieder vorbei. Als ich vorhin draußen war, kam noch eine ziemliche Lichtempfindlichkeit dazu (Blauäugigen-Schicksal), die Kombination hatte schon etwas... ähm... vampirartiges an sich.


Montag, 23. Juni 2014

Tag 357 - Röntgen

Heute war die Knochenszinti, Ergebnis gibt es aber erst am Freitag.

Nach der Untersuchung war ich auf der Gyn, um meinen Radiologie-Befund zu erfragen. Das Röntgen ist unauffällig, kein Hinweis auf Dinge, die nicht dort hingehören.

Ich bin erleichtert, bevor ich aber zu jubeln beginne, möchte ich das Ergebnis der Knochenszinti abwarten.
Da will man doch glatt eine rauchen...
Wenn ich denn noch rauchen würde.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Tag 352 - To call or not to call

Das war die Frage.
Ich hab nicht angerufen, nach Rücksprache mit Herrn Hase und dem besten Freund hab ich beschlossen, nein, ich rufe nicht an, jedenfalls nicht heute.
Ich bin am Montag ohnehin zur Knochszinti dort und werde auf die Station gehen und persönlich nachfragen. Face to face.

Die Vorstellung, jetzt am Nachmittag - eigentlich noch in der Arbeit sitzend - am Telefon eine schlechte Nachricht zu erhalten, gefällt mir weniger als die Idee, nächste Woche dort das Ergebnis zu bekommen.
Am Befund ändern kann ich sowieso nix.

So werd ich heute zum Ikea fahren, mich danach zum Inder bewegen und ein Glas Weißwein trinken. Oder zwei.

Montag kommt früh genug.

Weiß jemand, wie lange das Knochenszinti dauert, also wie lang ich nach der Injektion warten muss?



Dienstag, 17. Juni 2014

Tag 351 - Erste Male

Ich finde, es ist spannend, gewisse Sachen das erste Mal nach der Diagnose, quasi in seinem zweiten Leben neu zu erleben.
Einige erste Male habe ich ja schon hinter mir. Das erste Mal wieder schwimmen, das erste Mal auf Urlaub fahren, ins Ausland reisen...

Vergangenes Wochenende habe ich 2 Dinge getan, die ich seit der Krebsdiagnose im Juli 2013 nicht mehr gemacht habe.

Am Samstag war ich beim Friseur.
Im Grunde nix Besonderes, es war ein 9 Euro Haarschnitt bei einer großen Drogeriekette. Die Friseurin war eine ganz Nette, die mir mit Rasierer und Schere nur die Seiten und den Nacken gemacht hat. Sie meinte, es sieht aus als würde ich Locken haben bzw. bekommen (wer weiß!).
Es hat nicht mehr als 15 Minuten gedauert, aber: Es waren zwar kurze, aber dafür viele Haare, die geschnitten wurden und alleine das Prozedere, den Mantel umhängen, das vor dem Spiegel sitzen war ein Erlebnis.

Sonntags war es dann Zeit für eine weitere Premiere.
Ich wohne in Wien, zwar am Stadtrand, aber eben in Wien, wo es vermutlich eines der besten öffentlichen Verkehrsnetze in Europa gibt. Parkplätze sind rar und Garagen sind teuer, folglich hab ich kein Auto.
Aber eine kleine Plastikkarte, mit der man Miet-Smarts öffnen kann.
Nie ein wirklich routinierter Autofahrer gewesen, hab ich mich immer ein bisschen gedrückt zu fahren, Großstadt-Verkehr und so. Nur zu wichtigen Anlässen wie zur Hochzeit der besten Freundin auf dem Land bin ich selbst gefahren.
Am Sonntag ist so ein kleiner Flitzer vor der Haustür gestanden, ich hab die Gelegenheit am Schopf gepackt, bin eingestiegen, Herrn Hase auf den Beifahrersitz gesetzt und los gefahren.
Voll toll.
Ich hab Haare und kann Auto fahren. Für mich ist das viel und wichtig, Meilensteine quasi, die ich auf meiner internen Checkliste abhaken kann.
Normales Leben.

Nebenbei erwähnt: Der Befund vom Röntgen ist natürlich noch nicht fertig, es muss ihn noch eine OÄ vidieren (ist Standard) - also selbes Spiel morgen wieder.
Vermutlich fall ich dann wegen Schlafmangels einfach um, egal wie das Ergebnis aussieht.

Trotzdem: Bitte Daumen drücken!




Samstag, 14. Juni 2014

Tag 348 - Break the silence

Es ist wahrscheinlich kein Geheimnis, dass es mir seit der letzten, seit gestern eigentlich vorletzten Herceptingabe nicht besonders gut ging.
Am Tag nach der Infusion hab ich von Herrn Hase eine ordentliche Verkühlung übernommen.
Die hab ich noch eine Woche später in  Bratislava gespürt und nach einer nicht so tollen Nacht bin ich am Samstag völlig fertig wieder in Wien angekommen.
Meine körperliche Verfassung lässt zu wünschen übrig. Das macht mir Angst.

Dass Herceptin wieder einen Akneschub hervorgerufen hat, hat die Sache zwar nicht besser gemacht, fiel aber diesmal nicht in's Gewicht. Das ist vor allem ein kosmetisches Problem.
Was mich tatsächlich beunruhigte, war, dass mir die betroffene Brust seit Tagen, Wochen weh tut und auch ein bisschen Talg (?) rauskommt.

Dass mich die Rippen und auch das Becken schmerzen, hat mich nicht sehr besorgt, da OPs und die Bestrahlung eben Spuren hinterlassen. Generell hab ich Probleme mit dem Bewegungsapparat und Kreuzweh habe ich praktisch schon seit immer.

Trotzdem war die Kombination nicht so toll, auch die bleierne Müdigkeit hat aus mir eine in sich zurückgezogene, ängstliche, düstere Helga gemacht.
Nicht panisch. Resignierend.
Tränen hatte ich kaum, denken konnte ich aber kaum an was anderes.
Zuhause war ich sehr still, die Fassade einer aufgeräumten "Gesunden" hält nur in der Arbeit.
Wenn mich Herr Hase wegen irgendwas aufgezogen hat, hab ich gefaucht und mich schnell verzogen.

Gestern also wieder in's Spital zur Herceptin-Therapie, dort meine Sorgen vorgetragen. Die Brust hat niemanden berunruhigt, aber bei meiner beiläufigen Bemerkung über mein Becken hab ich das Erschrecken in den Gesichtern der Turnusärztin und der Schwester gesehen.
Mein Lieblings-Oberarzt wurde herbeitelefoniert, er hat die Brust inspiziert und die Talg-Absonderung als normal bezeichnet. Der Eingriff war kein kleiner und die Brust arbeitet noch.
Die Knochenschmerzen machen ihm auch keinen Kopf, aber wie er sagte, machen wir eine Knochenszinti, damit ich beruhigt bin. Gestern ist mein Becken geröntgt worden und die Szintigraphie findet in 10 Tagen statt.

Irgendwie bin ich jetzt beruhigt. Wenn da etwas ist, wird es bald gefunden.

Daheim angekommen hab ich meinem Mann erzählt, was Sache ist.
Wobei ich nicht viel erklären musste, er kennt mich lang und gut. Herr Hase ist zuversichtlich, dass ich gesund bin.
So will ich es auch sein.






Montag, 2. Juni 2014

Tag 336 - Angst

Seit Tagen kämpfe ich mit bzw. gegen die Angst.
Dann lese ich Sätze wie: "Diese HER-2/neu-rezeptoren will niemand haben..."

Das sitzt ordentlich.
Ich will sie auch nicht haben, der Krebs wächst dann viel aggressiver als ohne diese Rezeptoren.
Oder will ich sie doch? Schließlich gibt es den Antikörper Herceptin, der das Wachstum von Krebszellen verhindern soll.
Ich will weder noch, ich will gesund sein.

Ich bin weinerlich. Und still.
In der Arbeit fällt das nicht auf.
Ich bin von Haus aus ruhig und zurückgezogen, außerdem fehlen den Herren die Antennen und wahrscheinlich auch das Interesse, um meinen Gemütszustand zu erkennen.
Das ist auch gut so.
Ich will mit niemandem darüber reden. Eigentlich auch nicht schreiben, aber es hilft, meine Gedanken zu ordnen.

Die erkrankte Brust tut weh, im Krankenhaus haben sie mir das letzte Mal gesagt, dass das Narbenschmerzen sind. In meiner Phantasie wächst da bereits wieder etwas.
Ertasten kann ich bei der Brust nichts mehr. Dadurch, dass die Ärztin die Brust bei der OP quasi einmal umgerührt hat, ist da unter der Narbe ein großes Areal, das hart ist, die Bestrahlung wird ihr Übriges getan haben.

Ich denk, diese Angst-Phasen sind normal, aber der Schnupfen, den ich eben hatte und die mangelnde Kondition machen mich nachdenklich.
Die Hausärztin meinte, das Immunsystem sei das Um und Auf. Jetzt macht mir natürlich jeder Husten, jeder Schnupfen, jede Übelkeit, jede Schwäche Sorgen.
Die nette Benommenheit  ist weg.

Ich würde so gern mein Leben genießen. Froh sein, dass ich es bis hierher geschafft habe.
Ich kann's grad gar nicht.


Sonntag, 1. Juni 2014

Tag 335 - Bratislava

Ausblick von der Burg Devin, die etwas außerhalb liegt




In der Stadt




Ganz kann ich mich mit Bratislava nicht anfreunden. Die Stadt ist aber sehr schön und vor allem die Fahrt mit dem Twin City Liner war toll.

Perdita, wenn du nach Wien kommst, machen wir eine Wien-Rundfahrt auf der Donau, ich bin jetzt auf den Geschmack gekommen.