Dienstag, 2. Juli 2013

Tag 1 - Diagnose

Ich kann nicht einmal behaupten, schlecht geschlafen zu haben.

Ich fahre gemeinsam mit meinem Mann zur Befundbesprechung der Biopsie.
Der Termin ist um 9, ich bin aufgrund des gestrigen Briefs schon sehr nervös, die Warterei nervt.
Trotzdem weiss ich nicht mehr, wann wir dann tatsächlich aufgerufen wurden.

Der Arzt hat meinen Befund in die Hand genommen, hat ewig lang draufgeschaut, hat mich angesehen und schließlich gesagt: “…Jetzt geht es um Ihr Leben, Frau xxx, das ist Krebs…”
Ich weiß nicht, wie ich beschreiben soll, was ich in dem Moment gespürt habe, ich habe mich wie in Watte gepackt gefühlt.
Verwirrt habe ich noch das Schreiben des Spitals aus meiner Tasche gezogen, wo “nur” von der Rede einer brusterhaltenden OP war.
Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass das Schreiben verschickt wurde, bevor der histologische Befund fertig war.

Der Arzt hat weiter gesprochen, er wollte einfühlsam sein. Ist bei mir genau das Falsche. Ich will Fakten hören, kein Gefühlsblabla.
Man kann ihm keinen Vorwurf machen, aber angekommen ist bei mir das: “Sie werden bald tot sein.”
Da der Krebs so gross war, so schnell gewachsen ist, ging er anscheinend schon von Metastasen aus.
Ich weiss nicht mehr so viel, was in dieser Besprechung noch alles passiert ist.

Ich hab Überweisungen für ein MRT und ein CT bekommen, das CT musste auswärts gemacht werden, weil sie mir keinen Termin geben konnten.
Ich hab Rescue-Tropfen bekommen und eine Psychologin ist kurz vorbei gekommen.

Das Hirn hat in solchen Fällen – in meinem Fall – eine sehr gut funktionierende Blockade, die klares Denken nicht zulässt. Sie schützt. Bei mir hat diese Blockade 6 Wochen gehalten, erst jetzt und auch nur langsam wird mir klar, was die Diagnose eigentlich heisst.

Schliesslich sind wir noch zu meiner Hausärztin gefahren, ich bin in ein Extrazimmer verfrachtet worden und sehr schnell drangekommen. Meine Ärztin war brutaler ehrlicher als der Arzt im Spital, wobei ich nicht mehr viel weiss, was gesagt worden ist. Mit Rezepten für Beruhigungstropfen und ein Benzo bin ich kurz danach in der Apotheke gestanden.

Was danach zu Hause war, weiss ich nicht mehr wirklich, mir ist beim Essen ein Zahn abgebrochen *wurscht*, ich hab meinen Chef informiert, dass ich lange ausfallen werd und ich hab meine Familie und meine engsten Freunde um ein Treffen gebeten.